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Die ersten Badegäste kamen nach Fulgen

Der Ortsteil Fulgen, der 1874 in Brunshaupten eingemeindet und 1938 Teil der Stadt Kühlungsborn wurde, liegt im Osten der Stadt. Sein Markenzeichen sind der Bootshafen und der Reiterhof Böldt. Das Verdienst, diesen herrlichen Landstrich für das Badeleben erschlossen zu haben, gebührt dem damaligen Besitzer des Erbpachtgutes Fulgen, dem tüchtigen Landwirt Ferdinand Wittholz (1822-1899). Das seiner Zeit mit einigem Risiko verbundene Unternehmen wurde durch einen anscheinend geringfügigen Umstand erleichtert. Großherzog Paul Friedrich von Mecklenburg (1800-1842) hatte nämlich holländische Ziegler nach dem Heiligendamm kommen lassen, um dort ein neues Ziegelbrenn-Verfahren ausprobieren zu lassen. Wie nahezu bei jedem ersten Brennversuch zeigten sich auch hierbei zunächst allerlei Mängel. Etwa zweihunderttausend Mauersteine waren mit Fehlern behaftet und nicht absetzbar. Diese erstand der in unmittelbarer Nachbarschaft wohnende Herr Wittholz für den Spottpreis von 86 Talern (gleich 258 Mark) und verwendete sie für den Bau eines zweistöckigen Logierhauses. Nach Fertigstellung dieses Gebäudes konnte der Erbpächter Wittholz, der bereits in den Vorjahren einige Badegäste in seinem alten geräumigen Wohnhaus auf dem Wirtschaftshof aufgenommen hatte, insgesamt 70 Personen unterbringen. Trotz der damals schlechten Verkehrsverbindung zu einer größeren Stadt war die Verpflegungsmöglichkeit für das neue Unternehmen nicht besonders schwierig, da Erforderliches größtenteils in Fulgen selbst produziert wurde. Monatelang vorher begannen die Vorbereitungen: Die hergestellte Butter wurde in Gebinde geschlagen, Schweine, Kälber, Schafe und Geflügel wurden für die Saison schlachtreif aufgezogen, das erforderliche Gemüse angebaut usw. Selbstverständlich fehlte auch eine eigene Bademöglichkeit nicht.


Bereits im Jahr 1857 machte Ferdinand Wittholz für sein Landgasthaus im Ostseebad Fulgen Reklame. In einem Badeprospekt heißt es: „Das Ostseebad Fulgen, eine Meile von Doberan und eine halbe Meile von Heiligendamm gelegen, empfiehlt sich zur Aufnahme von Badegästen ergebenst. Es werden à Person pro Woche für Bäder, Logis, Aufwartung und Beköstigung 7 bis 9 Reichstaler, je nach den gewünschten Zimmern berechnet, bei Kindern unter 10 Jahren gibt es Preisermäßigung.“ Im „Führer durch Kühlung, Brunshaupten, Arendsee nebst Doberan und Heiligendamm“ des Jahres 1910 findet sich in der Werbung des Ostseebades Fulgen bei Brunshaupten sogar die Aussage: „Das Ostseebad Fulgen besteht seit 70 Jahren (also 1840) und ist ein Landgut mit komfortabel eingerichtetem Logierhaus.“ 


Erst mehrere Jahrzehnte später entwickelte sich das Badeleben in den benachbarten Ortschaften Brunshaupten und Arendsee, denn eine besondere Hürde stellten die schlechten Verbindungsverhältnissen und die dadurch auch bedingten Verpflegungsschwierigkeiten dar. In der Geschichte der mecklenburgischen Bäder wird der Name des Erbpächters, Ferdinand Wittholz aus Fulgen, fortbestehen, denn er zählt zu den Begründern und Pionieren des Seebäderwesens insgesamt Zu Ehren und in Erinnerung an seine Verdienste gab man in Kühlungsborn Ortsteil Ost einer Straße seinen Namen.


(Geschrieben von Herrn Dr. Jürgen Jahnke)


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